Als Hochzeits-DJ erlebe ich auf jeder Feier unzählige emotionale Partymomente. Die Trauung ist herzberührend, der Eröffnungstanz elegant und die Reden sind emotional. Doch der Punkt, der mit Abstand am meisten für Stimmung sorgt ist der Brautstraußwurf. Wenn er geworfen wird ist die Party-Energie meist auf dem Höhepunkt. Er ist nicht nur ein bekannter Hochzeitsbrauch, sondern ein garantierter Stimmungsmacher und ein echtes Highlight für die gesamte Gesellschaft.
In diesem ultimativen Guide tauchen wir tief in die Welt dieses Blumen-Brauchs ein: von seiner spannenden Geschichte über die Gestaltung des Straußes bis hin zu meiner professionellen Empfehlung als DJ, wann der perfekte Zeitpunkt für diesen Party-Booster ist.
Woher kommt der Brautstraußwurf?
Die Geschichte des Brautstraußes und seines Wurfes ist älter und komplexer, als viele annehmen. Die Anfänge des Brautstraußes liegen im Mittelalter, etwa zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert. Damals war der Strauß allerdings noch nicht primär romantisch. In erster Linie war er Symbol für:
- Aberglaube und Schutz
Ursprünglich sollten Kräuter und stark duftende Blumen (wie Knoblauch oder Rosmarin) die Braut vor bösen Geistern, Dämonen und Krankheit schützen.
- Hygiene-Faktor
Angesichts der damaligen Hygiene-Verhältnisse und der oft schlechten Luft in Kirchen diente der Strauß auch dazu, unangenehme Gerüche zu überdecken und die Braut vor einer Ohnmacht zu bewahren.
- Fruchtbarkeit
Später kamen Blumen hinzu, die Fruchtbarkeit symbolisierten.
Wer besorgt den Brautstrauß?
Die Frage, wer den Brautstrauß kauft, hat eine lange Tradition, die heute oft flexibel gehandhabt wird.
Historisch betrachtet war es üblich, dass der Bräutigam die Hochzeitsblumen bestellte, bezahlte und den Strauß der Braut am Morgen der Hochzeit (oft vor der Zeremonie) überreichte. Klassisch gesehen war es für die Braut ein Geschenk des Zukünftigen. In bestimmten Regionen existierte zudem der Brauch, dass der Brautvater die Blumen an seine Tochter übergab.
Heute leben wir diese Traditionen gerne weiter, doch niemand ist mehr daran gebunden. In der modernen Hochzeitsplanung steht die Gestaltungsfreiheit im Vordergrund. Deshalb ist es heute am häufigsten so, dass die Braut den Strauß selbst in Auftrag gibt und besorgt. Meistens trifft die Braut in Absprache mit dem Bräutigam die entscheidenden Details selbst. Die Art des Straußes wird in Bezug auf Farbe, Blumenart und Gesamtgestaltung individuell festgelegt.
Die Abholung und Logistik wird dann je nach Plan entweder vom Bräutigam, der Brautmutter, dem Brautvater oder der Trauzeugin übernommen. Alternativ lassen sich die Blumen bequem vom Floristen zur gewünschten Location liefern. Das Wichtigste ist: Was passt am besten zu eurem Ablauf!
Entwicklung und Wurf-Brauch
Die Tradition des Werfens entwickelte sich erst viel später, vor allem in Westeuropa und den USA.
- Glücksbringer
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit glaubte man, dass das Glück der Braut buchstäblich "abfärbte". Daher versuchten die Hochzeitsgäste, ein Stück der Kleidung der Braut zu ergattern. Dies führte oft zu chaotischen Szenen und Beschädigungen des Brautkleides.
- Die clevere Alternative
Um ihr Kleid zu schützen, boten Bräute eine Alternative an: den Brautstrauß. Der Strauß symbolisierte Liebe, Glück und Fruchtbarkeit. Der Brauch besagt, dass die ledige Frau, die den Strauß fängt, als Nächstes heiraten wird. Diese spannende Aussicht machte den Strauß schnell zum begehrten Objekt.
- Heutige Bedeutung
Heute ist es vor allem ein fröhlicher, spielerischer Wettbewerb, der für ausgelassene Stimmung und tolle Fotos sorgt, und gilt als liebevoller Glücksbringer der Braut an ihre Freundinnen.
Die Gestaltung des Straußes: Wurfsicher und mit viel Liebe geschmückt
Der Brautstrauß ist ein zentrales Element des Braut-Outfits. Bei der Gestaltung gibt es allerdings einige Dinge zu beachten, vor allem wenn der Strauß fliegen soll. Der Brautstrauß besteht klassischerweise aus drei Komponenten:
- Hauptblumen
Die dominierende Blume, die oft farblich auf das Hochzeitskonzept abgestimmt ist (z.B. Rosen, Pfingstrosen, Lilien).
- Begleitgrün
Blätter und dekorative Zweige, die dem Strauß Volumen und Textur verleihen (z.B. Eukalyptus, Olivenzweige).
- Accessoires
Dekobänder, Perlen oder Broschen, die den Griff des Straußes zieren.
Wichtig für den Wurf
Die Größe des Straußes sollte immer zur Braut, zur Figur und zum Kleid passen. Er sollte die Braut nicht "überschatten" oder unhandlich sein. Die Standardgröße liegt oft zwischen 25 und 35 Zentimetern im Durchmesser. Ein kompakter, runder Biedermeierstrauß oder eine leicht lockere, aber dennoch handliche Form ist ideal für den Wurf. Eine Wasserfallform (Kaskadenstrauß) ist zwar sehr elegant, aber aufgrund seiner Länge und oft filigranen Drahtkonstruktion weniger geeignet für das Werfen.
Ein zu schwerer Strauß (z.B. nur aus Rosen oder mit viel Nasssteckmasse) kann beim Fangen schmerzhaft sein oder nicht weit genug fliegen.
Viele Floristen bieten an, einen kleineren, leichteren Wurfstrauß zu binden, der optisch dem Original ähnelt. Das hat zwei große Vorteile: Zum einen kann der Originalstrauß als Erinnerung behalten werden (z.B. zum Trocknen), zum anderen ist der Wurfstrauß optimal dimensioniert und verletzt niemanden beim Fangen.
Wie wird der Brautstrauß geworfen?
Grundsätzlich gibt es für den Wurf zwei Varianten:
1) Zentral (hoch) über den Kopf
2) Seitlich (leicht neigend) über die Schulter
Die meisten Bräute entscheiden sich für Variante 1, also über den Kopf hinweg. Je nach Deckenhöhe ist hier zu beachten, dass der Strauß deutlich weiter fliegt als bei Variante 2. Für einen schönen Flug sollte auf eventuelle Kronleuchter und Deckendeko geachtet werden. Wenn er über die Schulter der Braut geworfen wird, fliegt der Brautstrauß deutlich niedriger und landet sehr wahrscheinlich auf dem Boden. Je nachdem, wie und wo er landet, kann der Wurf natürlich auch wiederholt werden. Dafür bin unter anderem ich als Hochzeits DJ und Schiedsrichter da.
Der perfekte Zeitpunkt: Warum die Hochzeitsparty der beste Zeitpunkt für den Brautstraußwurf ist
Theoretisch kann der Brautstraußwurf jederzeit stattfinden, solange möglichst alle unverheirateten Damen anwesend sind. Doch als Hochzeits DJ, der den Flow und die Energie einer Party steuert, habe ich eine klare Empfehlung: Mitten während der Tanzparty! Als Alternative gäbe es auch die Möglichkeit als Party-Starter nach dem Essen (zum Beispiel, wenn kein Hochzeitstanz geplant ist). Der DJ sollte für diesen Punkt auf jeden Fall anwesend sein!
Anhand der Atmosphäre merke ich, wann der beste Zeitpunkt für den Wurf ist und gebe der Braut eine kurze Empfehlung. In der Regel findet der Wurf bis kurz vor Mitternacht statt. Aus meiner Erfahrung achte ich ebenfalls darauf, dass die meisten Gäste noch anwesend sind, damit sie diesen Programmpunkt noch live erleben können.
Wichtig: Trotz aller Party-Euphorie, den dieser Effekt herbeirufen kann, sollte man sensibel mit dem Thema Brautstraußwurf umgehen. Hier meine Empfehlungen:
- Die Anzahl der Mädels
Für den Wurf solltet ihr mindestens 4-5 unverheiratete Frauen in eurer Gesellschaft haben. Es macht wenig Sinn, nur 2-3 Frauen auf die Tanzfläche zu stellen, die sich häufig unwohl und beobachtet fühlen.
- Rücksicht bei Nichtteilnahme
Respektiert auch die Entscheidung von einzelnen unverheirateten Frauen, die keine Lust haben, hier mitzumachen. Es gibt manchmal private Gründe, genau bei diesem Spiel nicht teilzunehmen. Die Braut sollte vorab klären, wer mitmachen möchte und wer nicht.
Moderation und passende Songs zum Anheizen
Nachdem ich mich mit der Braut abgesprochen habe, moderiere ich den Brautstraußwurf selbstverständlich an. Hier rufe ich alle unverheirateten, weiblichen Gäste auf die Tanzfläche und baue dabei schon etwas Spannung auf. Während sich die Damen versammeln, koordiniere ich den Abstand zur Braut. Natürlich läuft parallel hier bereits ein fetziger Mädels-Song.
Der ausgewählte Song muss Power, Vorfreude und Drama transportieren. Ideal sind Songs mit einem klaren, erkennbaren Höhepunkt oder einem "Drop", der genau im Moment des Wurfes liegt. Die Klassiker für diesen Moment sind:
- Beyoncé - Single Ladies
- Cindy Lauper - Girls just want to have fun
- Kool & The Gang - Ladies Night
- u.v.m.
Falls ihr einen bestimmten Song hören wollt, sprecht mich gerne an.
Die Siegerehrung
Dann ist es soweit: Nach einem klaren Countdown wird der Strauß geworfen. Sobald der Strauß gefangen wurde, lasse ich die Musik kurz ausklingen, um der Gewinnerin die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Nach dem Jubel und der Gratulation an die Fängerin darf gerne auch der künftige Bräutigam auf die Tanzfläche kommen. Im Anschluss starte ich den nächsten Party-Song und es geht in die nächste Tanzrunde!
Fazit: Der Brautstraußwurf als unvergessliches Highlight
Der Brautstraußwurf ist weit mehr als nur ein alter Brauch. Er ist ein perfekt inszenierbarer Party-Pusher, das die Braut mit ihren Freundinnen teilt. Durch die bewusste Entscheidung für den Wurf während der Hochzeitsparty und die Begleitung eines professionellen Hochzeits DJs wird dieser Moment zu einem absoluten Highlight eurer Hochzeitsfeier.
Über den Autor:
Andreas Konz ist professioneller Hochzeits DJ mit über 10 Jahren Erfahrung und auf Mixed-Generation-Events spezialisiert. In diesem Blogbeitrag beschreibt er den Ablauf des Brautstraußwurfes und nennt Gründe, warum es Sinn macht, den Strauß während der Hochzeitsparty zu werfen.








